Im Frühling 2010 konnte ich eine Lärche ausgraben. Die Lärche stand auf einer hellen, sonnigen Lichtung, vom Wildverbiß und von Schneelasten sehr stark geformt. Ein Baum, der über viele Jahre allen widrigen Umständen getrotzt hatte. Aber jetzt durch zunehmende Beschattung, der umstehenden Bäume, seinem Ende entgegen sah. Die Äste waren verbissen und zum größtenTeil schon abgestorben. Der Stamm aber ließ eine interessante Bewegung erahnen und es gab noch genügend junge, frische Triebe.

April 2010

Zuerst habe ich alle trockenen Äste und die tote Spitze abgeschnitten, Gras und Bewuchs um den Baum herum entfernt. Nun wurde der Stammverlauf sichtbar. Der steinige Untergrund, d.h. mühsames Ausgraben mit großer Spitzhacke, und die dicke Moosschicht waren verantwortlich für viele Seitenwurzel mit guter Verzweigung. Das verbessert die Überlebenschance enorm. Nach dem Ausgraben sah der Baum so aus. Nun noch die Wurzeln sorgfältig verpacken und ab damit nach Hause.

 

April 2010

Zu Hause setzte ich meinen Fang sofort ins vorbereitete Beet. Das Substrat darin besteht aus Basaltsplitt. In das Pflanzloch gebe ich immer noch eine Portion Torf um die Wurzeln herum. Kräftiges Wässern verbessert den Kontakt der Wurzeln mit ihrem Umfeld. Das erleichtert das Anwachsen enorm. Sofortiges Wurzelwachstum und kräftiger Austrieb, schon im ersten Jahr, war die Folge.

April 2010

Die gute Wüchsigkeit im Ast- und Wurzelbereich und das luftige Substrat ließen den Baum stark austreiben. Die neuen Austriebe wurden mehrmals zurückgeschnitten, um Verzweigungen anzuregen. Innerhalb von 2 Jahren hatte sich die Lärche so gut entwickelt, dass ich den Baum aus dem Beet herausnehmen konnte. Nach einem kräftigen Ast- und Wurzelschnitt setzte ich ihn in einen Plastiktopf.

 

April 2013

Ein Jahr später, Frühling 2013 begann ich mit Überlegungen über den weiteren Weg der Lärche. Mein Plan, das hoch stellen des Stammes in frei aufrechte Form, konnte mich nicht mehr überzeugen. Die fehlende Verjüngung des Stammes und schlecht positionierten Äste störten mich. Auch eine windgepeitschte Form habe ich durchdacht. Da aber der Stamm gegen die gedachte Windrichtung der Äste läuft, konnte mich diese Stilrichtung auch nicht überzeugen. Das herunterneigen des Stammes, in eine Kaskadenform, ergab plötzlich ein überraschendes Ergebnis. Die Seitenäste standen nun gut, die fehlende Verjüngung war kein Problem mehr. Nur das nicht vorhandene Nebari stört etwas.

 

 April 2013

 

Es wird einige Zeit dauern bis der Baum sich an die neue Wuchsrichtung gewöhnt hat. Auch an den Wurzeln werde ich vieles ändern müssen. Gedacht, getan. Die Aststümpfe habe ich noch etwas verschönt, ein paar Sharibereiche angelegt und die Äste gedrahtet. Danach wurde der Baum noch in eine große Schale gepflanzt.  Die doch arg reduzierten Wurzeln sollten sich bestens ausbreiten können.

 

 April 2013

 

Einige Wochen später. Der neue Austrieb sieht schon ganz gut aus. Die Lärche hatte die starken Eingriffe, ober- und auch unterirdisch, sehr gut verkraftet.

 

Mai 2013

 

Während des Sommers stand der Baum vollsonnig, wurde kräftig gedüngt und gewässert. Zu lange Triebe zurückgeschnitten immer wieder gekürzt.

 

Herbst. Nach dem Abfallen der Nadeln führte ich einen starken Rückschnitt der Äste durch. Dabei stellte ich fest, dass der im Frühjahr angelegte Draht zum Teil stark eingewachsen war und sofort entfernt werden musste.

 

 November 2013

Danach legte ich neuen Draht an. Ich veränderte den zu geraden Stammverlauf des zweiten Astes und entfernte den dünnen Ast im oberen Bereich.

 

Dezember 2013

 

 

Frühjahr 2014

 

In den nächsten Jahren, in der Verfeinerungsphase, geht es um Verzweigung, Aufbau der Astetagen, Nachbearbeitung der Sharibereiche und Verbesserung des Nebari.

Mit diesem Bericht möchte aufzeigen, wie aus einfachem Yamadori-Material in relativ kurzer Zeit ein stattlicher Bonsai-Anwärter werden kann.

Hier nochmal alle Bilder zusammen:

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