Aus meiner frühen Yamadori-Zeit standen noch einige Lärchenfindlinge in einer Gartenecke herum. Die Bäumchen hatte ich mal im Überschwang ausgegraben und zu Hause eingepflanzt. In einer Styroporkiste hatten sie sich gut bewurzelt.

Heute, mit etwas mehr Erfahrung, würde ich die unschönen Teile sofort wegschneiden, anstatt sie über lange Zeit zu pflegen um sie dann später doch zu entfernen. Aber dieses Wissen kommt auch erst mit den Jahren.

 

        

 

Das erste Einpflanzen der einzelnen Bäume in eine Schale als Gruppe.

Meine Gedanken beim zusammensetzen:

  • Hauptbaum, Nebenbäume neigen vom Hauptbaum weg
  • keine gleichen Abstände der Stämme untereinander
  • pyramidenförmige Silhouette der Gruppe

 

Im Herbst 2011 entfernte ich die toten Stammreste und kürzte die frischen Äste.

Nun sah man die Probleme der Bäumchen deutlich.

  • kaum Stamm-Verjüngung nach oben
  • Äste eine Katastrophe
  • alles viel zu hoch
  • die Bäume mit dem Knick passen nicht zu dem Bleistiftgeraden

 

 

Die Gruppe vermittelte nicht den Eindruck von Wind, Wetter, Naturgewalt sonder mehr von Hunger und Not.

Nach dem Einkürzen der Stämme, Drahten der Äste und mit frischem Austrieb verbesserte sich der Gesamteindruck der Gruppe. Nach einigen Wochen kamen mir allerdings schon wieder die ersten Zweifel an der Gestaltung. Keine Spannung brav, langweilig, kein Hingucker (sieht aus wie ein paar Bäume die zufällig nebeneinander stehen). Nichts, wo Bonsai-Kenner davor stehen bleiben würden um zu diskutieren. So hatte ich mir meine Lärchengruppe nicht vorgestellt.

 

 

Frühjahr 2012 nächster Schritt.

Die Ideen und Gedanken des Winters sollten nun umgesetzt werden. Alle Bäume wurden bearbeitet, gedrahtet, gekürzt und wieder eingepflanzt. Mittlerweile hatten einige Seitenäste kräftig zugelegt, sodass daraus neue Spitzentriebe gebildet werden konnten. Auch versuchte ich mehr Bewegung in die Stämme untereinander zu bekommen. In dem ich den zweit größten Baum der Gruppe, bewusst provozierend, zum Hauptbaum hinneigte, im Kronenbereich dann wieder von ihm weg. Für die zwei zusätzlichen „kleinen“ Bäumchen ist mir keine bessere Lösung eingefallen (Gesamtanzahl der Bäume = 6 /gerade!). Vielleicht kann in den nächsten Jahren einer von beiden wieder entfernt werden.

 

 

Na ja, ist ja recht wild geworden, das Ganze.

 

 

Nach dem Austrieb wirkte die Lärchengruppe schon wesentlich kompakter und nicht mehr so chaotisch. Mit den Kalksteinen versuchte ich den Eindruck einer kargen, felsigen Landschaft zu vermitteln.

 

So sah die Gruppe Ende Sommer 2013 aus. Die Unterpflanzung wurde noch etwas geändert, Drähte entfernt und durch ständigen Rückschnitt des Austriebs die Astetagen verbessert. Die Nebenbäume links geschnitten und der oberen Ast links am Hauptbaum gekürzt. Das verstärkt die Negativbereiche links und betont die Fließrichtung der Gruppe nach rechts. Nun wirken die Bäume als verwachsene Gruppe, trotzen Sturm und Hagel, scheinen sich gegenseitig Halt zu geben. Sicherlich noch weit weg vom Ideal. Aber „Der Weg ist das Ziel“. Es macht mir Freude zu sehen, dass wir unsere Bäume, durch ständige Veränderung und Bearbeitung, immer noch einen Schritt weiter entwickelt werden können.

 

 

Lärchengruppe von den Höhen des Westerwaldes

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