Das Oktobertreffen des Bonsai-Team Koblenz Mittelrhein fand diesmal wieder im Gemeindesaal Spay statt. -- Ein untrügerisches Zeichen, dass die Freiluftsaison vorbei ist. In kleiner Runde konnten trotzdem - bei Kaffee und Kuchen -- einige Bäume besprochen und bearbeitet werden.

 

Thomas hatte aus der Eifel diesmal ein eher untypisches "Bonsaigewächs" dabei - einen kleinen Flieder. Zunächst musste dieser von dem bodennahen Unkraut befreit werden. Ein mühsames Unterfangen, da sich das Unkraut auch tief in das Wurzelgeflecht verfilzt hatte.

Nach gut einer Stunde Arbeit konnte man jetzt die Struktur des Fliederbusches erkennen. Aus einem Wurzelballen war der Ansatz eines kleinen Wäldchens zu erkennen. Nach Wegnahme der nicht passenden Austriebe und etwas Ausrichtarbeit pflanzte Thomas den Flieder in eine passende Schale ein. Die Runde prognostizierte allerdings, dass der Fliederstrauch wegen seiner typisch langen, senkrechtenTriebe eher ungeeignet für einen Bonsai sei und auch durch gezielte Schnittmaßnahmen kaum zu einem typ. Bonsai zu gestalten sei. Thomas geht es auch eher um die Herausforderung, auch mit solchem Material einmal zu arbeiten. Wie eine nachträgliche Recherche des Autors im Internet ergab, gibt es durchaus beeindruckende Beispiele für Flieder-Bonsai. -- Man wird sehen, was Thomas daraus machen wird.


 

Sascha hatte, wie schon beim letzten Arbeitstreffen, einen beeindruckenden Liguster aus einer Heckenauflösung dabei. Dieser wurde heute noch nicht bearbeitet - dafür aber bestaunt, wie die Natur über vielleicht 10 Jahre in der Hecke ein solches Ausgangsmaterial "erschaffen" kann. Es bestand die allgemeine Meinung, dass man als Bonsaizüchter kaum in der Lage wäre, aus einem Steckling ein solches Basismaterial heranzuziehen. Sascha hat dieses Jahr nur einen rudimentären Zurückschnitt der ausgegrabenen Pflanze gemacht. Man darf gespannt sein, wie er dieses Teil in den nächsten Jahren zu einem ausdrucksstarken Solitär gestalten wird.


 

 

Dietmar brachte heute eine Kirschpflaume mit, die er vor 2 Jahren ausgegraben hatte. Damals hatte er die hoch aufschießenden Äste direkt am Stamm gekappt und mit Wundmittel versiegelt. Nach seiner aktuellen Erfahrung, und auch durch Informationen bekannter  Gestalter, ist diese Vorgehensweise keine gute Idee. Die Wundstelle kann sich nicht optimal verschließen und der verwendete Wundbalsam sieht farblich unschön aus.

Eine bessere Methode sei es, die zu entfernenden Äste ca. 2 cm vom Stamm entfernt abzuschneiden und kein Wundverschlussmittel aufzutragen. Man überlässt den Baum seinen Selbstheilungskräften und nach 2..3 Jahren kann man den dann abgestorbenen Stumpf stammnah entfernen. Auch dann sollte man vermeiden, mit einer Konkavzange eine zu starke Vertiefung am Stamm zu machen. Dies führt, wie in den Bildern zu sehen ist, dazu, dass sich ein unschöner Ringwulst bildet und die Schnittstelle sich nicht ganz verschließt. Vielmehr sollte man eine eher ebene Fläche an der Schnittstelle bilden, die, so die Hoffnung, dann den Schnitt komplett verschließt.


Nachtrag

 

Dietmar schickte noch Information zu Nacharbeiten an seiner Kirschpflaume:

die hässlichen Wülste wegschneiden und begraden,
- die Schnittstellen schleifen und mit Jin-Mittel einstreichen,
- das Kambium mit Wundpaste gegen Austrocknen geschützt,
- Äste gekürzt, nach unten und parallel wachsende entfernt,
- Drähte angelegt und zu steil stehende Äste ausgerichtet.

 

In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob diese Maßnahmen zu besserer und schönerer Wundheilung führt und ob sich die Krone wie geplant entwickelt.

 

 

Hier nochmals alle Bilder in einer Galerie:

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